Gedichte Schwein


Gedichte - Schwein

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Tier Schwein für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

 

 

 

Das Sprüchwort spricht

Scharf und milde, grob und fein,
Vertraut und seltsam, schmutzig und rein,
Der Narren und Weisen Stelldichein:
Dies alles bin ich, will ich sein,
Taube zugleich, Schlange und Schwein!

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

 

 

Unser Gott ist ein greifbares Faktum.
Wir nehmen vorerst den Darm als Abstraktum
Und stopfen demnächst von dem wirklichen Schwein
So Fleisch als Fett und Blut hinein.
So füllt sich die Leere, wird straff und stet,
Das schlotternde Absolute konkret.

Franz Grillparzer

 

 

 

Heut, an Leanders Feste,
War alles, traun! aufs beste!
Denkt, fette Gänse drei;
Beliebte Hasen, zwei;
Ein Dutzend stumme Fische;
Und gar ein wildes Schwein.
"Das alles gab er?" Nein!
Die saßen nur bei Tische.

Karl Friedrich Kretschmann

 

 

 

Bis auf weiters

Das Messer blitzt, die Schweine schrein,
Man muß sie halt benutzen,
Denn jeder denkt: »Wozu das Schwein,
Wenn wir es nicht verputzen?«

Und jeder schmunzelt, jeder nagt
Nach Art der Kannibalen,
Bis man dereinst »Pfui Teufel!« sagt
Zum Schinken aus Westfalen.

Wilhelm Busch

 

 

 

 

Die Realistin

Rosetta behauptet, die Liebe
Sei lediglich Schweinerei,
Die man nur deshalb betriebe,
Weil einem so wohl dabei.
Daß Menschen an Liebe gestorben,
Das sei nicht schwer zu verstehn.
Sie hätten sich eben verdorben,
Wie's öfter pflegt zu geschehn.
Sie selber nähme das peinlich,
Denn ein verliebtes Schwein,
Das müsse auswendig so reinlich
Wie ein Engel inwendig sein.

Frank Wedekind

 

 


Diese Welt gleicht einer Wage,
Die bedächtig wankt und schwankt.
Jener klagt um einen Zufall,
Dem ein Andrer brünstig dankt.
Eine Schale muß stets sinken,
Daß die andre steig' empor;
Wenn der Sieger fröhlich jubelt,
Weinet der Besiegten Chor.
Drum haben die unzähl'gen
Seelen, die die Erde trägt,
Gleiche Freuden, gleiche Schmerzen
Noch zu keiner Zeit gehegt.
So war's immer, so wird's bleiben!
Nichts daran sich ändern läßt. –
Wird ein armes Schwein getödtet,
Nennt der Wirth es – Schlachte-Fest.

Verfasser unbekannt

 

 

 

 

Der Stelzfuß

Was dem Kutscher seine Pferde,
Was dem Schäfer seine Herde,
Was dem Bauer seine Schwein',
Was dem Rentner seine Rente,
Dem Reporter seine Ente,
Was dem Arzte andrer Pein,
Was dem Pfarrer seine Pfründe,
Was dem Teufel ist die Sünde,
Was dem Winzer ist der Wein,
Was dem Wirth sind seine Gäste,
Was der Köchin sind die Reste,
Was der Blume Sonnenschein, –
Bist du mir, daß du mich nährest,
Speise mir und Trank bescherest!
Drum sollst du gesegnet sein –
Hurrah hoch! mein hölzern Bein!

Heinrich Seidel
 

 

 

 

Im Dorfe wohnt ein Vetter,
Der gut versichert war
Vor Brand und Hagelwetter
Nun schon im zehnten Jahr.

Doch nie seit dazumalen
Ist ein Malheur passiert,
Und so für nichts zu zahlen,
Hat peinlich ihn berührt.

Jetzt, denkt er, überlasse
Dem Glück ich Feld und Haus.
Ich pfeife auf die Kasse.
Und schleunig trat er aus.

O weh, nach wenig Tagen
Da hieß es: »Zapperment!
Der Weizen ist zerschlagen
Und Haus und Scheune brennt.«

Ein Narr hat Glück in Masse,
Wer klug, hat selten Schwein.
Und schleunigst in die Kasse
Trat er halt wieder ein.

Wilhelm Busch

 

 

 

 

Klo-Verordnung

Unser Örtchen klein,
soll stets rein und sauber sein.
Wenn einer mal verfehlt das Loch,
nun ja, das kann passieren,
der schlechte Schütze soll jedoch,
den Fehlschuß korrigieren.
Denn auch bei diesem edlen Werk,
da gibt es leider Dilettanten,
der Künstler trifft direkt hinein,
der Tölpel auf die Kanten.
Bist Du befreit von Magenzwicken,
vergiß auch nicht, den Knopf zu drücken.
Hinterläßt Du in der Schüssel Streifen,
sollst Du nach der Bürste greifen.
Entsteht bei Allem noch ein Duft,
dann sorge bitte für frische Luft.
Verlaß dann alles ordentlich und rein,
wer das nicht kann, der ist ein .........(Schwein).

PS: Auch bei diesen Geschäften denk daran:
"Eine Hand wäscht die andere!"

Unbekannt

 

 

 

 

Worte in den Wind

Sei mir gegrüßt, du, den ich meine,
Und sende mir dreihundert Dollar zu
Und laß mich sonst im übrigen in Ruh,
Auf daß ich einmal über Großmut weine.

Besuche mich, wenn ich einmal allein bin,
Du fremde schöne und gewisse Frau!
Sei mir die ideal ersehnte Sau,
Doch sage nicht von mir, daß ich ein Schwein bin.

Wagt euch empor, die ich so gerne riefe,
Ihr einflußreiche, starke Knechtebrut!
Verbreitet mich und zieht vor mir den Hut
Und sagt mir schmeichelnd superste Lative.

Vergeßt mich nicht, ihr Freunde, die's nicht gibt,
Helft, Edelste, mir, wenn ich in Gefahr bin,
Bestätigt laut, daß ich so rein und wahr bin,
Und daß ihr mich ob meiner Schlichtheit liebt.

Du erhabnes, über Welt und Sternen
Ragendes und höchstes Etwas, komm!
Denk von mir, der kennen dich zu lernen
Nie die Ehre hatte: Der ist fromm!

Selbstverständlich sollst du ewig thronen! –
Bitte, bitte, mach mich niemals krank.
Könntest du - im voraus tiefen Dank –
Mich vielleicht auch mit dem Tod verschonen?

Joachim Ringelnatz
 

 

 

 

Die Heinzelmännchen zu Köln

Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul,... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man's gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten,
Und rupften
Und zupften,
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk... bereits gemacht!
Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän' und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg' in Eil;
Und sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visierten wie Falken
Und setzten die Balken...
Eh sich's der Zimmermann versah...
Klapp, stand das ganze Haus... schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich -
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig,
Und hoben
Und schoben,
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,... das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
Wie die Mühl' im Wind!
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten,
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,...
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein,
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten,
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt' ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Da schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten,
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! - verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort
und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

August Kopisch

 

 

Seht das Kind, umgrunzt von Schweinen,
Hilflos, mit verkümmerten Zeh'n!
Weinen kann es, nichts als weinen –
Lernt es jemals stehn und gehn?
Unverzagt! Bald, sollt' ich meinen,
Könnt das Kind ihr tanzen sehn!
Steht es erst auf beiden Beinen,
Wird's auch auf dem Kopfe stehn.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

 


Vor vielen Jahren sozusagen
hat folgendes sich zugetragen:
Drei Säue taten um ein Huhn
in einem Korb zusammenruhn.
Das Huhn [wie manchmal Hühner sind]
[im Sprichwort mindestens], war blind.
Die Säue waren schlechtweg Säue
von völliger Naturgetreue.
Dies Dreieck nahm ein Mann aufs Ziel,
vielleicht war's auch ein Weib, gleichviel.
Und trat heran und gab den Schweinen –
Ihr werdet Runkelrüben meinen.
O nein, er warf – [er oder sie] –
warf – Perlen vor das schnöde Vieh.
Die Säue schlossen träg die Lider.....
Das Huhn indessen, still und bieder,
erhob sich ohne Hast und Zorn
und fraß die Perlen auf wie Korn.
Der Mensch entwich und sann auf Rache;
doch Gott im Himmel wog die Sache
der drei Parteien und entschied,
dass dieses Huhn im nächsten Glied
die Perlen außen tragen solle.
Auf welche Art die Erdenscholle –
das Perlschwein – ? Nein! das war verspielt!
das Perl-Huhn zum Geschenk erhielt.

Christian Morgenstern

 

 

 


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